Tschechien wird zu Europas Drogenparadies

Author: Hans-Jörg Schmidt
Date: Jan 11, 2010
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Tschechien hat ein erstaunlich liberales Rauschmittel-Gesetz erlassen. Die Beschränkungen für Eigenbedarf etwa liegen dreimal so hoch wie in den Niederlanden. Dass die Szene jubelt, ist kein Wunder. Jeder zweite junge Tscheche hat Erfahrungen mit weichen Drogen. Das ist ein unerreichter Wert in Europa.



Tschechien hat ein sehr liberales Rauschmittelgesetz verabschiedet. Darüber freuen sich vor allem Cannabis-Raucher in dem osteuropäischen Land

Für Prager Bildungstouristen gehören die Burg über der Moldau, Galerien, Konzerthäuser oder die Karlsbrücke zum Pflichtprogramm. Viele Besucher kommen auch einfach nur wegen des süffigen böhmischen Bieres in die tschechische Hauptstadt.

Drogenkonsum im internationalen Vergleich

Demnächst wird es vermehrt auch eine andere Interessengemeinschaft nach Prag ziehen: Diejenigen, die gern mal ungestraft einen Joint rauchen. Die könnten dann Klubs wie das „Ujezd" ansteuern, wo es schon am frühen Nachmittag süßlich-schwer nach Haschisch duftet.

Prag war schon immer ein Hort für Drogenkunden und -produzenten. Selbst zu sozialistischen Zeiten gab es Suchtkliniken - einmalig damals im Ostblock. Nach der Revolution von 1989 ging es noch freizügiger zu. Jeder Prager wusste, dass man an der Kreuzung von Wenzelsplatz und Graben Kokain, Heroin oder Marihuana kaufen konnte. Unter den Augen der Polizei, die nie einschritt.

Das Dealen bleibt strafbar

 

Der Stoff war dem Vernehmen nach nicht nur von guter Qualität, sondern überdies auch noch erschwinglich. Logisch, dass auch viele Schüler hier ihren ersten Kauf tätigten. Die Folgen: Jeder Zweite aus dieser Altersgruppe in Prag hat seit der „Wende" Erfahrungen mit sogenannten weichen Drogen gemacht - das ist Spitze in Europa.

 

Umfrage:

Haben Sie jemals harte Drogen wie Heroin oder Kokain konsumiert?


16% Ja, durchaus
5% Nur einmal
11% Noch nicht
68% Nein, das würde ich nie machen6798 abgegebene Stimmen

Auch außerhalb Prags, in den Vorgärten auf dem Land, blühte der Anbau von Cannabis-Pflanzen. Es lag im Ermessen der Polizei, ob sie einen Fall der Staatsanwaltschaft überantwortete, es bei einem Ordnungsgeld beließ oder gar nicht einschritt. Eine „kleine Menge" ließ man immer durchgehen. Jeder Versuch, den Drogenanbau und -konsum juristisch zu regeln, scheiterte an einer an Formel, die an höhere Mathematik erinnert: „Wie groß muss eine Menge sein, damit sie nicht mehr klein ist?"

Jetzt hat sich die amtierende Beamtenregierung unter dem gelernten Statistiker und somit „Mengenlehre-Experten" Jan Fischer an diese Rechenaufgabe gemacht. Im Ergebnis fixierte sie erstmals Obergrenzen für den Anbau von Drogenpflanzen, Kakteen oder Pilzen, die als Halluzinogene eingestuft werden.

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Via Welt Online - Von Hans-Jörg Schmidt, 9. Januar 2010, 11:14 Uhr

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